Trotz Regen eine große Freude in der Nachbarschaft: So war das 10. Großgörschen Straßenfest

Geschrieben von: Victoria Kategorie: Die kulturellen Erben e.V. Am: Kommentare: 0 Finden das interessant: 75

Gemäß Wettervorhersage soll es 14 Uhr anfangen zu regnen. Kein Nieselregen oder spontaner Schauer, sondern heftiger Dauerregen bis mindestens 19 Uhr. Ein Zeitfenster, das doch aber seit Monaten bereits punktgenau für das Straßenfest reserviert wurde. Da muss beim Wettermeister etwas durcheinander geraten sein. Erst mal nicht weiter beirren lassen – wird schon! 

So stehen wir bereits Vormittags auf der Großgörschenstraße um sicherzustellen, dass alle Fahrzeuge bewegt wurden. Nur so reicht der Platz aus um den Aufbau der Stände für das Straßenfest zu gewährleisten. Man kennt sich in der Nachbarschaft: so wird noch schnurstracks ein Falschparker erreicht, der die Verbotsschilder der Woche zuvor nicht bemerkt hatte. Puh, nochmal davon gekommen und nicht abgeschleppt. Da freut sich der Fahrer und die Veranstalter gleich mit.

Weiter in der Planung: Es soll regnen, jaja, wird ja aber schon. Wir lassen uns nicht beirren und bauen das Fest weiter auf als würden alle 500 erwarteten Gäste kommen. Die sensible Technik für den Sound bleibt zum Teil im Van, der neben der Bühne geparkt ist. Die restliche Technik wird unter ein Zelt verstaut. Der Veranstaltungstechniker zieht am gleichen Strang wie wir und hilft tatkräftig mit, um einen fantastischen Sound hinzubekommen, der bis zum letzten Meter des Straßenfestes reicht. Zu fünft im Team bauen wir Stück für Stück die Bühne zusammen, die zuvor 200m weiter runter die Straße in mehrere Puzzle-Teilen zwischengeparkt wurde.

Spontan kriegen wir zum Glück ein zusätzliches Zelt organisiert: eins damit die Künstler vom Bühnenprogramm nicht zu nass werden – das Zelt steht also auf der Bühne – und das Zusatzzelt direkt neben der Bühne, damit auch wirklich alle Instrumente und Bühnenteilnehmer Platz finden.

14 Uhr – es regnet. Die ersten Kommentare von den Standmietern kommen zugeflogen: "Lasst uns nicht abbrechen, das Nachbarschaftsfest soll stattfinden!", "Kriegen wir hin, lasst uns dennoch Spaß haben!". Das klingt glasklar nach unserer eigenen Einstellung, guten Laune und wir fühlen uns bestärkt: Wir machen jetzt das Beste aus der unverhofften Heirat zwischen Regen und Straßenfest.

Wir sagen Danke!

Der Förderer vom Straßenfest ist das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg – Abteilung Stadtentwicklung und Bauen aus dem Programm „Soziale Stadt“. Ohne die finanzielle Spritze und zwischenmenschliche Hilfsbereitschaft des Bezirksamts wäre das Straßenfest nicht möglich gewesen. Genausowenig ohne die wegweisende Unterstützung des Quartiersmanagements Schöneberger Norden, einem sehr zentralen und wichtigen Ermöglicher von sozialen Projekten und Ankerpunkt in der Nachbarschaft. Hinzu kommt unser Verein "Die kulturellen Erben e.V." und das altbekannte Treff62 – beides die Organisatoren vom Jubiläumsfest: dem 10. Großgörschen-Straßenfest. Unsere engagierten Teams und ehrenamtliche Helfer, die transportiert, geschleppt und mit organisiert haben dürfen ebenso wenig unerwähnt bleiben. Gleiches gilt für die vielen Talente und Künstler, die uns ein grandioses Bühnenprogramm geschenkt haben. Ohne euch wär das Fest buchstäblich ins Wasser gefallen. Und da wir schon mal dabei sind und es häufig unterschätzt wird: Danke auch an die Stand-Teilnehmer und Essenversorger, denn ihr habt gut gelaunt das Straßenfest mit uns mit durchgezogen, trotz Regen, Wind und erschwerten Bedingungen. Nicht zuletzt Danke an die Ev. Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde / Kirchhofsverwaltung und den freundlichen Kirchhofsmitarbeitern für die Vermittlung und Nutzbarmachung von Strom (für Musik und warmes Essen) und Bereitstellung der Waschräume, die unsere Straßenfest-Gäste mitbenutzen durften.

Dankeschön!

Bühnenprogramm

Eigentlich sollte das Bühnenprogramm ja so ablaufen (PDF). Aber bei Regen muss man sich flexibel zeigen. Auch wenn wir nicht alle Highlights feiern konnten, so haben wir dennoch ein wundervolles Programm auf's Parkett zaubern können, den Künstlern und deren positiven Energie sei Dank.

Kinder-Chor unter musikalischer Leitung von Joanna: Ein Ergebnis des Mittwoch Unterrichts, einem kostenlosen Angebot im Treff62.

Kinder-Tanz unter künstlerischer Anleitung von Stephanie: Ein Ergebnis des Dienstag Unterrichts, einem kostenlosen Angebot im Treff62.

Die Band SMART ist ca. 2012 entstanden und ist eine AG im Rahmen des Band-Projektes für Erwachsene. Ein Band-Projekt Konzept der Leo Kestenberg Musikschule. Fun Fact zum Namen: Die Band ist nicht nur smart und überaus sympathisch, sondern es passte auch gut die jeweiligen Anfangsbuchstaben der Vornamen der Bandmitglieder in einem Akronym zusammenzufassen. Auch wenn die letzten 4 Open Air Auftritte allesamt im Regen stattfanden, konnte die Laune der „Rainbirds“ nicht beeinträchtigen. 

Ride 2 Reality: Live Musik mit Joanna und Luki, beides Künstler des Ateliers Camargo Klasen & Jugend Kunstpaten e.V. und Aktivisten im Einsatz für eine friedvollere Welt.

Offizielle Eröffnungsrede des Jubiläumsfests vom Stellvertretenden Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat Jörn Oltmann, der sich ebenfalls nicht vom Regen hat fern halten lassen – Dankeschön! Auch für seine Thematisierung der Wohnsituation und Einblick in den aktuellen Ansätzen zur weiteren Verbesserung des Lebens und Wohnens im Bezirk.

Caz Mera ist ein Künstler des Ateliers Camargo Klasen & Jugend Kunstpaten e.V. Er kommt aus Kolumbien und hat mit einer musikalischen Gesangsaufführung inklusive Loop Show verzaubern können.

Tanz-Trio "Iridescente" mit Anais, Ana und Stephanie.

Breakdance Aufführung unter Leitung von Chico's Tanzstudio.

Für die großartige Vernetzung mit den tollen Künstlern hat im ausschlaggebenden Maße Sofia Camargo mitgeholfen. Wunderbare Zusammenarbeit!

Damit es auf weitere Ohren trifft, hier auch nochmal der wichtige Redebeitrag zum Mietergipfel (PDF) von Norbert Böhnke. Der Nachbar und Redner ist Teil des Schöneberger Kiezpalaver wo unterschiedliche Menschen zusammenkommen, die von Privatisierung, Spekulation, Verdrängung und Zerstörung von Stadtnatur betroffen sind. In seiner Rede übt Böhnke Kritik an der Politik, welche Wohngipfel organisiert um dringende soziale Wohnungsfragen zu klären und dann doch eher eine Großteil der Immobilienlobby erscheint. Eine starke Gemeinschaft ist hier sinnvoll, um sich weiterhin für bezahlbaren Wohnraum in Berlin einzusetzen.

Das Besondere am diesjährigen Straßenfest

  • Jubiläumsfest: 10 Jahre in Folge funktioniert das Nachbarschaftsfest in der Großgörschenstraße bereits
  • Straßenfest ohne Kompromisse: Trotz Dauerregen ziehen alle Akteure am gleichen Strang – voll motiviert und mit freudiger Stimmung wird das Beste aus dem Fest gemacht. "Wir hatten noch nie so viele Besucher an unserem Stand", ließ ein Informationsstand sogar verlauten.
  • Erstmalige organisatorische Leitung des Straßenfests durch "Die kulturellen Erben e.V." mit hilfreicher Unterstützung von Treff62. "Eventuell fällt das Fest dieses Jahr aus", Ressourcenengpässe hieß es. Das konnten wir nicht zulassen und haben uns spontan ca. 3 Monate vor dem angedachten Jubiläumsfest bereit erklärt die ehrenamtliche Leitung und Organisation vom 10. Großgörschen-Straßenfest zu übernehmen. Geklappt hat am Ende alles vor allem, weil wir auf den Erfahrungen anderer Kiez-Akteure bauen konnten und eine hohe Hilfsbereitschaft vorhanden war
  • Nachbarschaftlicher Zusammenhalt: Das weitere Vernetzen von erfahrenen Einrichtungen und Organisationen mit jüngeren Vereinen hat voll geklappt. Dieser Austausch ist enorm wichtig, um Engpässe auszugleichen und alteingesessenen funktionale Angebote mit neuen Ideen anzureichern. Vor allem auch das breite Informationsangebot gab den Nachbarn die Möglichkeit sich zu informieren über Wohn- und Müllsituationen, was wir tun können um unnötigen Konsum einzuschränken, welche sozialen Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene es gibt und wie man sich wo in welcher Form inspirieren lassen kann.
  • Grandiose Teamleistung
  • Eine Broschüre zum Jubiläumsfest ist aktuell in der Entstehung mit Fotos und Einblicken vom diesjährigen Fest und auch der vergangenen.

Für leckeres warmes Essen mit eigenen Ständen sorgten:

Anadolu e.V. Moschee & Nachbarschaftszentrum Steinmetzstraße

Teilnehmer an den Ständen

Veranstalter Logos – 10. Großgörschen-Straßenfest

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